Zinnfiguren -Histel
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Zinnfiguren und Buddelschiffe von Roger Histel
Zinnfiguren und Buddelschiffe von Roger Histel

Wissenwertes über Zinnfiguren

 

 
Zinnsoldaten

Zinnfiguren findet man bereits im Altertum. Vermutungen reichen bis zu den alten Griechen oder Römern. Die älteste bekannte deutsche Zinnfigur stammt vom Anfang des 13. Jahrhunderts und wurde bei Magdeburg entdeckt. Zunächst wurden Zinnfiguren wahrscheinlich als Pilgerzeichen verwendet.

Ab etwa 1550 erhielt die Zinnfigur einen immer größeren Raum im gesellschaftlichen Leben. Nürnberg, und später auch Fürth, war das wichtigste Zentrum in Deutschland, von dem diese Entwicklung ausging. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts trat die Zinnfigur ihren Siegeszug in die deutschen (und ausländischen) Kinderzimmer an, der erst durch den I. Weltkrieg ein abruptes Ende fand.

Zinnfiguren gibt es als vollplastische, halbplastische und als Flachfiguren in allen Größen und Maßstäben. Bei den Flachfiguren ist die gängigste Größe 28 mm Augenhöhe; sie wird Nürnberger Maß oder Nürnberger Größe genannt.

Zinnfiguren waren zunächst „Lernspielzeug“, mit denen Kindern die „große weite Welt“ oder die geschlechtsspezifische Rolle von Mann und Frau näher gebracht werden sollte. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts gewannen die Zinnsoldaten eine immer größere Bedeutung und drängten die anderen Spielmöglichkeiten an den Rand. Lediglich Zinnschmuck (beispielsweise für Weihnachten) hatte noch eine größere Bedeutung.

Weltmarktführer war ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Nürnberger Offizin Heinrichsen, die auch heute noch besteht.

Künstler, wie Carl Alexander Heideloff, dessen Bruder Manfred, Wilhelm Camphausen und andere lieferten Entwürfe. Zu Beginn waren sie meist flach gehalten, wurden später aber dann plastisch ausgeformt und entsprechend den Vorbildern bemalt. Ab etwa 1920 erhielt das Spielzeug „Zinnfigur“ eine neue Rolle. Die Figuren wurden realistischer gestaltet und Erwachsene begannen „kulturhistorische Zinnfiguren“ zu sammeln. Damit sollte jetzt die deutsche und internationale Geschichte möglichst exakt dargestellt und der jeweiligen Generation verdeutlicht werden.

Bekannte Autoren wie Joachim Ringelnatz oder Hans Christian AndersenDer standhafte Zinnsoldat«) setzten der Zinnfigur literarische Denkmäler.

 

Zinnfiguren heute

Heute gibt es Zinnfiguren aus allen Bereichen der darstellenden Kunst, von der historischen Figur über Fantasy/Science Fiction bis zum Weihnachtsbaumschmuck. Die historischen Themen reichen von den Dinosauriern über Napoleon bis zur Mondlandung. Die vermehrte Verbreitung von Tabletop-Spielen (z. B. Warhammer oder Warhammer 40.000) hat zu einer regelrechten Renaissance der Zinnfigur unter Spielefreunden geführt.

Alle zwei Jahre (in Jahren mit ungerader Jahreszahl) findet in Kulmbach eine Internationale Zinnfigurenbörse statt, bei der sich Sammler und Anbieter aus aller Welt treffen. Dort befindet sich auf der Plassenburg das Deutsche Zinnfigurenmuseum. Ein weiteres deutsches Zinnfigurenmuseum kann in Goslar besucht werden. In der Zinnfigurenklause in Freiburg im Breisgau werden mehrere Dioramen zur süddeutschen Geschichte ausgestellt. Das Torhaus Dölitz bei Leipzig beherbergt ebenfalls eine umfangreiche Sammlung von Zinnfiguren und Dioramen. In Österreich können Interessenten die „Zinnfigurenwelt Katzelsdorf“ besuchen. Kleinere regionale Ausstellungen ergänzen diese größeren Museen. Viele Museen nutzen Zinnfiguren als Anschauungsmaterial oder zeigen, wie das Freilichtmuseum Roscheider Hof, Zinnfigurensammlungen (das Museum beherbergt beispielsweise seit 2005 die Zinnfigurensammlung von Prof. Klaus Gerteis).

Zinnfiguren wurden und werden häufig von hervorragenden nationalen und internationalen Künstlern entworfen, modelliert/graviert und bemalt, sodass sie einen großen Wert darstellen können.

Beispielhafter Guss von Zinnfiguren in Metallformen

Viele deutschen Zinnfigurensammler sind in der „Klio, Deutsche Gesellschaft der Freunde und Sammler kulturhistorischer Zinnfiguren e. V.“ organisiert. Ein weiterer wichtiger Verein ist die „Vereinigung Freie Zinnfigurensammler e.V.“ Beiden Gesellschaften sind auch eine große Anzahl ausländischer Sammler beigetreten. Es gibt auch noch einzelne Arbeits- oder Landesgruppen der Klio wie zum Beispiel die Klio Landesgruppe Baden-Württemberg e.V. (Webseite www.klio-bawue.de).


Zunächst reift beim Interessenten der Wunsch nach einer bestimmten Figur. Wenn es diese Figur zu kaufen gibt, ist das kein Problem. Sollte das Gewünschte noch nicht existieren, sucht man sich entsprechende Vorlagen, die als Modell dienen können.

Der sogenannte Herausgeber beauftragt dann einen Zeichner, entsprechende Vorlagezeichnungen zu erstellen.

Danach erhält ein Graveur den Auftrag eine entsprechende Form aus Schiefer, Messing, Aluminium oder Silikon zu gravieren, bzw. zu schneiden. Als Gussmaterial kommt eine Mischung aus den Metallen Zinn, Blei, Antimon  zur Anwendung. Dabei stellen Zinn und Blei die Hauptanteile, während der Anteil an Antimon nur zwischen 2 % und 7 % liegt. Die genauen Gewichtsanteile sind Geheimnis der jeweiligen Hersteller.

Nach dem Guss wird die Figur verputzt bzw. gesäubert. Vollplastische Figuren müssen häufig noch montiert werden.

Mittels entsprechender Vorlagen kann der Sammler die Figuren bemalen. Am gebräuchlichsten sind Acryl- und (Künstler-)ölfarben. Selter werden Zinnfiguren mit Aquarellfarben bemalt.

Die fertigen Figuren werden im Wohnzimmerschrank, in der Vitrine oder bei Ausstellungen einzeln oder in einem Diorama präsentiert. Als Zimmerschmuck findet Zinn beispielsweise an der Wand, am Fenster oder am Weihnachtsbaum Verwendung.



http://www.zinnfigurenhistel.1a-shops.eu/